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Reverse Charge (§ 13b UStG) in E-Rechnungen

Mit der Steuerart „Reverse Charge (§ 13b UStG)" werden Rechnungen ohne Umsatzsteuer erstellt, bei denen der Leistungsempfänger die Steuer schuldet. Die E-Rechnung enthält dabei automatisch alle Angaben, die der Standard EN 16931 für dieses Verfahren verlangt – Berechnung, ZUGFeRD-Daten und Pflichtvermerk passen zusammen, ohne dass Beträge oder Steuercodes von Hand gesetzt werden müssen.


Wann gilt Reverse Charge?

Nach § 13b UStG geht die Steuerschuld bei bestimmten Leistungen vom Rechnungssteller auf den Leistungsempfänger über. Typische Fälle im Inland:

  • Bauleistungen (§ 13b Abs. 2 Nr. 4) an Unternehmer, die selbst nachhaltig Bauleistungen erbringen – etwa wenn sich Handwerksbetriebe gegenseitig Leistungen in Rechnung stellen.
  • Gebäudereinigung (§ 13b Abs. 2 Nr. 8) an Unternehmer, die selbst Gebäudereinigungsleistungen erbringen.

Ob das Verfahren im Einzelfall greift, hängt vom Leistungsempfänger ab (Nachweis häufig über die Bescheinigung USt 1 TG des Finanzamts). Diese Entscheidung wird beim Erstellen der Rechnung getroffen – Pantarey prüft sie nicht. Im Zweifel sollte die steuerliche Beratung hinzugezogen werden.


Steuerart an der Rechnung setzen

Die Steuerart wird pro Rechnung im Feld „Steuerart" (app_tax_mode) gewählt:

Wert Anzeige Wirkung
standard Standard Normale Berechnung mit 0 %, 7 % und 19 % (Vorgabe)
reverse_charge_13b Reverse Charge (§ 13b UStG) Rechnung ohne Umsatzsteuer, Steuerkategorie AE
  • Das Feld ist ab Version 1.5.0 der Vorlage „Rechnungen (Datenstrukturen)" enthalten. Bestehende Installationen erhalten es über das Aktualisieren der Vorlage.
  • Bei eigenen Datenstrukturen genügt ein Feld tax_mode oder app_tax_mode mit dem Wert reverse_charge_13b – alternativ kann der Wert über die Eingangs-Zuordnung des Service Tasks gesetzt werden.
  • Fehlt das Feld oder ist es leer, wird die Rechnung wie bisher als Standardrechnung berechnet.

Was sich an der Rechnung ändert

Berechnung (Rechnungsbeträge berechnen):

  • Alle Positionen werden mit 0 % berechnet – auch Artikel, an denen 19 % oder 7 % hinterlegt sind. Der hinterlegte Steuersatz bleibt gespeichert; wird die Steuerart zurück auf „Standard" gestellt, wird wieder normal gerechnet.
  • Brutto entspricht Netto, die Umsatzsteuer ist 0.
  • app_has_reverse_charge wird auf true gesetzt und app_net_reverse_charge enthält den Nettobetrag. Die Felder app_has_vat_nineteen, app_has_vat_seven und app_has_vat_zero bleiben false.

E-Rechnung (Rechnungsdaten auf ZUGFeRD abbilden):

Angabe Inhalt
Steuerkategorie der Positionen und der Steueraufschlüsselung (BT-151, BT-118) AE (Reverse Charge), Steuersatz 0 %
Befreiungsgrund (BT-120) „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers"
Code des Befreiungsgrunds (BT-121) VATEX-EU-AE
Rechnungshinweis (BT-22) „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers (§ 13b UStG)"
USt-IdNr. des Käufers (BT-48) aus dem Kontakt, siehe unten

USt-IdNr. des Leistungsempfängers

Die USt-IdNr. wird im CRM an der Organisation im Feld „Umsatzsteuer-ID" (vat_id) gepflegt. Beim Auswählen des Rechnungsempfängers wird sie in die Rechnung übernommen. Wird sie erst später am Kontakt nachgetragen, muss der Empfänger in der Rechnung neu ausgewählt werden.

  • In der E-Rechnung wird sie als BT-48 ausgegeben – bei jeder Rechnung, nicht nur bei Reverse Charge.
  • Leerzeichen und Punkte werden entfernt (de 123 456 789 wird zu DE123456789).
  • Einträge, die nicht wie eine USt-IdNr. aussehen (Länderkennung plus Nummer), etwa eine Steuernummer, werden nicht übernommen.

Muss die USt-IdNr. angegeben werden?

  • Steuerrechtlich ist die USt-IdNr. des Leistungsempfängers bei § 13b im Inland keine Pflichtangabe auf der Rechnung.
  • Der E-Rechnungs-Standard EN 16931 verlangt bei Steuerkategorie AE jedoch die USt-IdNr. des Käufers oder eine Registernummer (Regel BR-AE-02). Fehlt beides, wird die E-Rechnung trotzdem erstellt, ein Prüfprogramm meldet aber einen Fehler – je nach Software des Empfängers erscheint eine Warnung oder die Rechnung wird abgelehnt.

Daher wird empfohlen, bei Kunden mit Reverse Charge die USt-IdNr. zu erfragen und am Kontakt zu hinterlegen.


PDF-Vorlage anpassen

Auf der sichtbaren Rechnung muss der Vermerk „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers" stehen (§ 14a Abs. 5 UStG), Umsatzsteuer darf nicht ausgewiesen werden. Die HTML-Vorlage des Service Tasks wird dafür nicht automatisch angepasst. Der folgende Baustein zeigt die drei betroffenen Stellen – Positionen, Summenblock und Vermerk:

<table class="positionen">
  {{#each app_invoice_items_custom}}
  <tr>
    <td>{{app_description}}</td>
    <td>{{app_amount}}</td>
    <td>{{currency_eur app_item_price_net}}</td>
    <td>{{#if @root.app_has_reverse_charge}}–{{else}}{{app_vat_percentage}} %{{/if}}</td>
    <td>{{currency_eur app_items_total_sum_net}}</td>
  </tr>
  {{/each}}
  {{#each app_invoice_items_articles}}
  <tr>
    <td>{{app_article.app_article_name}}</td>
    <td>{{app_amount}}</td>
    <td>{{currency_eur app_article.app_net_price}}</td>
    <td>{{#if @root.app_has_reverse_charge}}–{{else}}{{app_article.app_vat_percentage}} %{{/if}}</td>
    <td>{{currency_eur app_items_total_sum_net}}</td>
  </tr>
  {{/each}}
</table>

<table class="summen">
  <tr><td>Nettobetrag</td><td>{{currency_eur app_net_total}}</td></tr>
  {{#if app_has_reverse_charge}}
  <tr><td>Rechnungsbetrag</td><td>{{currency_eur app_gross_total}}</td></tr>
  {{else}}
  {{#if app_has_vat_nineteen}}<tr><td>zzgl. Umsatzsteuer 19 %</td><td>{{currency_eur app_vat_nineteen}}</td></tr>{{/if}}
  {{#if app_has_vat_seven}}<tr><td>zzgl. Umsatzsteuer 7 %</td><td>{{currency_eur app_vat_seven}}</td></tr>{{/if}}
  {{#if app_has_vat_zero}}<tr><td>zzgl. Umsatzsteuer 0 %</td><td>{{currency_eur app_vat_zero}}</td></tr>{{/if}}
  <tr><td>Gesamtbetrag</td><td>{{currency_eur app_gross_total}}</td></tr>
  {{/if}}
</table>

{{#if app_has_reverse_charge}}
<p class="hinweis">
  Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers (§ 13b UStG).
  {{#if app_recipient.vat_id}}<br>USt-IdNr. des Leistungsempfängers: {{app_recipient.vat_id}}{{/if}}
</p>
{{/if}}

Erläuterung:

  • @root.app_has_reverse_charge greift innerhalb der Positionsschleife auf das Feld der Rechnung zu. Bei Reverse Charge wird statt des hinterlegten Steuersatzes ein Strich angezeigt.
  • Im Summenblock entfällt bei Reverse Charge der Steuerausweis; der Rechnungsbetrag entspricht dem Nettobetrag. Ohne Reverse Charge bleibt die bisherige Darstellung unverändert.
  • Der Vermerk und die USt-IdNr. des Empfängers erscheinen nur bei Reverse Charge.
  • Bei eigenen Datenstrukturen werden die Feldnamen entsprechend angepasst. Alle verfügbaren Helper sind in der Handlebars-Helper-Referenz beschrieben.

Hinweise

  • Die Steuerart gilt für die gesamte Rechnung. Rechnungen, die Positionen mit und ohne Reverse Charge mischen, werden nicht unterstützt.
  • Weitere Sonderfälle der Umsatzsteuer – etwa Kleinunternehmer (§ 19 UStG), innergemeinschaftliche Lieferungen oder Ausfuhren – werden derzeit nicht über die Steuerart abgebildet.
  • Unterstützt wird die Steuerart von den Services Komplette E-Rechnung erstellen, Rechnungsbeträge berechnen und Rechnungsdaten auf ZUGFeRD abbilden.